Orchideenfreunde.net
Lieber Orchideenfreund!
Schön dass Du auf unser Forum gestoßen bist!
Wir würden uns freuen, Dich als neues Mitglied in unserem Forum begrüßen zu dürfen!
Unser Forum pflegt einen sehr guten Umgangston untereinander und wir sind eine Gemeinschaft von begeisterten Orchideenfreunden.
Hier sind alle richtig, sowohl Neueinsteiger, Fortgeschrittene und Profis im Fachbereich der Orchideen.
Nur als registriertes Mitglied hast Du Zugriff auf alle Bereiche und kannst die Bilder sehen!Mit deiner Registrierung/Anmeldung bestätigst Du, die Forenregeln gelesen zu haben und diese voll und ganz zu akzeptieren, der Benutzer überträgt dem Foreninhaber ein einfaches, räumlich und zeitlich unbeschränktes und kostenloses Nutzungsrecht für die von Ihnen erstellten Beiträge im Rahmen des Forums. Das Nutzungsrecht bleibt auch bei einem Ausscheiden aus dem Forum bestehen.

Melde Dich also jetzt an bei uns im Forum, wir freuen uns auf Dich!
Orchideenfreunde.net

Das Orchideenforum für Neueinsteiger und Profis im Fachbereich Orchideen

Sie sind nicht verbunden. Loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich

Pflanzenstärkung - Pflanzensaft gibt Pflanzen Kraft ?

Nach unten  Nachricht [Seite 1 von 1]

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Äußere Kulturbedingungen

Beim Kultivieren von Pflanzen unter unnatürlichen Bedingungen (Gewächshaus, Fensterbank) kann die Pflanze aufgrund des entstehenden Energiedefizites (mangelnde Fotosynthese) nicht mehr genügend eigene Abwehrstoffe produzieren. Sämtliche Kraft wird für das Wachstum und die Vermehrung benötigt. Das bedeutet, dass Krankheiten und Ungeziefer nicht mehr effektiv von der Pflanze abgewehrt werden kann.

In der heutigen Pflanzenzucht entsteht durch eine übermäßige Anwendung von Kunstdüngern und chemischen Bekämpfungsmitteln eine Umwelt, in der sich überwiegend abbauende Mikroorganismen ansiedeln, die dann häufig zu Fäulnis und andere Krankheiten - und dann zu Schädlingsbesatz führen.


Überhaupt sollte den äußeren Kulturbedingungen mehr Beachtung geschenkt werden, Anhaltspunkte sind die Bedingungen am Naturstandort:


zusagende Temperaturen:

Phal. werden sich bei kühlen Temperaturen nie wohlfühlen
Draculas nicht im Warmhaus;

möglichst oft lüften ohne die Pflanzen zu unterkühlen



falsche Standortwahl:

 Harte Blätter benötigen viel Licht, weiche weniger;
 ständige leichte Luftbewegung ist hilfreich, möglichst mit Frischluftzufuhr



falsche Bodenverhältnisse:

das Substrat sollte Strukturstabil sein und sich möglichst nicht oder nur langsam zersetzen



Witterungsverhältnisse werden in der Kultur vom Pfleger bestimmt:

der natürliche Rhythmus der Natur  = nachts feucht und am Tag durch die Sonne trocken - sollten insoweit umgesetzt werden, dass innerhalb von 24 Stunden Feuchtigkeit und Trockenheit abwechseln.

Die Pflanze kann man als kleine Wasserpumpe ansehen:

angetrieben durch die Sonne (Assimilation) wird Wasser über die Wurzeln angesaugt, in die Blätter transportiert um dann über die Blattoberfläche als Kühlung zu verdunsten.
Mit diesem Wasserstrom ernährt sich die Pflanze.

Fehlt Licht zur Assimilation oder Wasser (Nahrung) kümmert die Pflanze

falsche Ernährung (einseitige NPK-Ernährung) schwächt die Pflanzen, sie werden anfällig gegen Insekten, Schadpilzen und Viren



Pflanzenstärkung

Im privaten Gartenbau setzt sich durch die aktuelle Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln ein Umdenken bzw. Wechsel zu natürlichen Heilmethoden bei der Pflanzenkultur langsam durch.
Der präventive Pflanzenschutz nimmt eine immer größer werdende Bedeutung an nach dem Motto: Vorbeugen ist besser als heilen!

Giftige Substanzen haben nie eine positive Wirkung auf die Pflanzen, erst recht nicht auf den Gärtner.

Mittlerweise gibt es eine Vielzahl von Pflanzenstärkungsmitteln auf dem Markt. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse fehlen häufig – dem gegenüber stehen positive Erfahrungen diverser Anwender.

Pflanzenstärkungsmittel sind z.B.:

Pflanzenextrakte, Algenextrakte, Kompost bzw. Humus (Huminsäure), Gesteinsmehl, Fermentprodukte usw.

Die Inhaltsstoffe können durch Aktivierung bestimmter Stoffwechselvorgänge die Widerstandskraft der behandelten Pflanzen gegen pathogene Mikroorganismen und tierische Schädlinge durch induzierte Resistenz erhöhen oder es werden Substanzen in die Zellwände (z.B. Kieselsäure) eingelagert, die das Eindringen von Pilzhyphen bzw. Insekten erschweren.

Stärkungsmittel werden unterschieden:

organische Basis ( pflanzliche Extrakte, Algenpräparate, ätherische Öle, tierischer Herkunft)

anoranische Mittel (Gesteinsmehle u.ä.)

Homöopatheka

Fermentprodukte (Organische Materie + Pilze, Bakterien, Mikroorgansimen)


Bei größeren Pflanzenbeständen kann eine Selbstherstellung von Stärkungsmittel durchaus sinnvoll sein, die Inhaltsstoffe sind frisch und man spart  Kosten.  Fast alle Stärkungsmittel haben gleichzeitig eine düngende Funktion. Es ist zu beachten, dass jede Überdüngung (auch mit organischen Mitteln) eine Schwächung der Pflanzen bedeutet.

Das beste Pflanzenstärkungsmittel ist der Humus. Zur Herstellung nimmt man  500g feingemahlener Reifekompost (3 Jahre) und löst ihn in 10 l lauwarmes Wasser. Das Ganze lässt man  24 Std. ziehen (gelegentlich umrühren). Danach durch einen feinen Kescher oder Tuch gießen und unverzüglich unverdünnt auf die Pflanzen (bei Orchideen Verdünnung 1:10) sprühen.
Die Anwendung sollte alle vier Wochen wiederholt werden. Die Inhaltsstoffe wirken gegen pilzliche Infektionen und langfristig gegen Insekten. Besonders gut hat sich Kompost aus
Weintrester bewährt.

Mittlerweile werden auch Humusprodukte als Huminsäure oder Fulvinsäure angeboten.

Ähnliche Wirkung, nämlich pilzhemmende Eigenschaften, haben Algenextrakte. Diese beinhalten einen unglaublichen Reichtum an Spurenelementen, Aminosäuren, Wachtumsauxine, Zucker, organische Säuren. Insbesondere die Aminosäuren als Bausteine des Lebens in Verbindung mit den Spurenelementen und Mineralstoffen bringen diese positive Wirkung und düngen nebenbei die Pflanze.

Ein ähnliches breites Wirkungsspektrum haben gute Pflanzenjauchen.
Dazu werden möglichst viele unterschiedliche Kräuter, sowie eine geschnittene Zwiebel
in 10 l Wasser mehrere Wochen vergoren.

Nach neueren Erkenntnissen werden beim Abbau dieser Pflanzen erst Hemmstoffe gebildet – die dann erst nach ca. 3 Wochen in Wuchsstoffe umgewandelt werden. Darum sollte die Jauche erst nach 4 Wochen verwendet werden.

Pflanzenjauchen riechen meistens stark. Aus diesem Grund werden sie in der Orchideenkultur heute nur noch selten eingesetzt.

Vereinzelt werden Orchideen auch noch mit Guano- oder Kuhmistjauchen gedüngt – den vielen organischen Wirkstoffen steht aber der unangenehme Geruch gegenüber.



Eine weitere Möglichkeit Inhaltsstoffe von Pflanzen zu gewinnen, ist die Fermentation.
Es ist bekannt, dass Sauerkraut einen weit höheren Nährwert hat, als das Ausgangsmaterial Weißkohl.

Auch Wein und Bier wird  einem Gährungs/Fermentationsprozess unterzogen. In Asien werden Orchideen auch heute noch mit Bier als Blattdüngung behandelt.

Bei der Fermentation werden dem Ausgangsmaterial  Bakterien, Hefen oder Mikroorganismen zugesetzt, die bei Temperaturen von ca. 30 ° C unter Luftausschluss die organische Masse in pflanzenverfügbare Stoffe umwandeln.
Durch die Mikroorganismen werden Stoffwechelprodukte produziert, wie Antibiotika, Hormone, Wuchsstoffe, Vitamine, Enzyme (Fermente), Antioxidantien usw., die auch von Pflanzen aufgenommen werden können.
Diese Prozesse finden in der Natur insbesondere im Boden statt. Dort wird organische Materie durch Mikroorganismen u.ä. zu Humus und damit zu pflanzenverfügbare Nahrung umgesetzt.


Im Hobbybereich können viele organische Materialien durch den Einsatz von Effektiven Mikroorganismen (EM) fermentiert werden.
Weitere Informationen dazu sind der Internetseite: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]  zu entnehmen.

Als Fertigprodukt kann das Mittel VITANAL genannt werden, dass aus fermentierten Pressrückständen von Weizenkeimen gewonnen wird.

Bei dem Präparat Waldleben werden Weizen, Winterroggen, Mais und Rübenmazerat durch Bakterien / Enzyme ebenfalls einer sorgsamen Fermentation unterzogen.

Wesentlich günstiger, und in fast jedem Drogeriediscounter erhältlich, ist der KANNE BROTTRUNK. Hier wird extra gebackenes Vollkornbrot mittels Milchsäurebakterien fermentiert.

Alle hier genannten Mittel haben eines gemeinsam, eine extrem niedrigen pH-Wert
( um 3,5)!!!

Entweder gewöhnt man seine Orchideen langsam an diesen niedrigen Wert  oder man arbeitet mit extremen Verdünnungen.


Als letztes sollte noch die Anwendung von Gesteinmehlen genannt werden. Dabei wird
möglichst feines Gesteinsmehl mittels Pulverspritzen auf die feuchten Pflanzen gestäubt
oder in Wasser gelöst auf die Orchideen gesprüht.

Die  feinen Partikel verkleben die Sinnesorgane der Schadinsekten, die sich dann andere Wirtspflanzen suchen. Die mit Gesteinsmehl behandelten Blätter werden härter (Kieselsäure wird eingelagert) und Pilze können schlechter über die Blätter eindringen (alkalischer Belag).
Der Nachteil dieser Behandlung – die Pflanzen sehen unansehnlich aus.

Wem die Selbstherstellung dieser Mittel zu mühsam ist,  dem steht eine breite Palette von organischen bzw. biologischen Mittel zur Verfügung. Hier einige Präparate, die in unserer Orchideengruppe verwendet werden:

flüssige Pflanzenextrakte div. Hersteller
flüssige Algenextrakte div. Hersteller
Aminosäuren: Aminosol, Siapton, Koniferenbalsam (Neudorff)
Huminsäure:            LiqHumus, Fulvital
roots2 ( Mischung aller vorher genannten Mittel)
Fermentprodukte:  Vitanal, Waldleben, Kanne Brottrunk, Bier
Biplantol (Homöopatisches Mittel)


Die hier genannten Präparate sind keine Zaubermittel, aber in der Lage die Orchideenkultur zu fördern !!!  




Wuchsstoffe:

Die Verwendung von synthetisch hergestellten Wuchsstoffen wird teilweise kritisch gesehen.

Die für das Pflanzenwachstum benötigten Wuchsstoffe werden von Pflanzen selber hergestellt. Werden diese Wirk- bzw. Wuchsstoffe der Pflanze von außen zugeführt, könnte der Energieüberschuss in Wachstum oder Pflanzenschutz gesteckt werden.

Diese organischen Wirkstoffe sind analysiert und synthetisch „nachgebaut“ worden. Das Problem ist oftmals die richtige Dosierung dieser synthetischen Wuchsstoffe.

In der Natur stehen solche Wirkstoffe den Pflanzen durch den Abbau organischer Masse laufend zur Verfügung.

Wuchsstoffe sind insbesondere Auxine, Gibbellerine und Phytokinine

In diesen Wirkstoffbereich fällt auch das Mittel „Superthrive“ – obwohl die Zusammensetzung eigentlich seit Ende der 1940er „geheim“ ist, wird gemutmaßt, dass es sich aus dem Wuchsstoffen NAA, Triacontanol und verschieden Vitaminen besteht

2 Pflanzenstärkung am 08.08.13 23:21

Rolf

avatar
Orchideenfreund
Hallo Uwe,

vielen Dank! Ein SUPER-Beitrag!!

Mit Bier dünge ich schon "ewig", und ich werde Deinen Beitrag zum Anlass nehmen, auch wieder auf Algenextrakte zurückzugreifen!

Freundliche Grüße
Rolf

Leni

avatar
Orchideenfreund
Hallo Uwe
Dein Beitrag ist wirklich exszellent . Vieles weiß ich aus Erfahrung aber auch von Berufswegen her, manches war mir in der Art nicht bewußt.
Die Kiste rund um die Fermentation ist mir neu und daher habe ich dazu folgende Frage. Du schreibst es werden Bakterien, Hefen oder Mikroorganismen zugestzt und das ganze anaerob sich überlassen? Bakterien und anaerob?
In dem Zusammenhang besitze ich nach wie vor den berüchtigten " Fischdünger" und es ist eine absolute Wunderformel, fermentierter Fisch, stinkt übelst aber selbst ne "Tote" Orchidee kann man damit retten Wink

LG

Leni

Gast


Gast
Hallo Leni,

in welcher Dosierung setzt du diesen Fischdünger bei den Orchideen ein?

konrad

avatar
Orchideenfreund
Wie ist das mit dem Bier,kann man das direkt aufsprühen,oder muss man es erst trinken ?lachen 

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Aerobe, anaerobe und opportune Mikroorganismen


Wenn ich organische Masse unter Luftausschluss (anaerob) z.B. in Wasser ansetzte, geht sie unweigerlich in Fäulnis über.
Bekannt ist das Vorgehen von Kräuterjauchen, die in der Abbauphase der organischen Masse einen bestialischen Gestank verbreiten, der erst nach einigen Monaten nachlässt.
Jetzt muss diese Jauche mehrfach umgerührt werden, damit Sauerstoff hineinkommt, der den Aufbauprozess unterstützt. Der biologische Gärtner verwendet auch heute noch diese Pflanzenjauchen.

Den Abbau von organischen Abfällen unter aeroben Bedingungen kennt jeder, der Komposthaufen. In der ersten Phase findet durch verschieden Mikroorganismen eine Erhitzung statt, bei der Schadorganismen oder Unkrautsamen vernichtet werden. Wenig bekannt ist, dass auch die für das Pflanzenwachstum so wichtigen Wuchsstoffe in dieser Phase überwiegend vernichtet werden, da sie hitzeanfällig sind. Bei dieser „Verbrennung“ wird auch viel CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.

Einen Abbau von organischen Substanzen unter kontrollierten (durch Zugabe von Mikroorganismen) anaeroben Bedingungen nennt man Fermentation.
Die Fermentation hat eine Tausendjährige Tradition in China:

Tierische und menschliche Fäkalien wurden mit vielen Kräutern vermischt und in 30-50 cm tiefen Kuhlen eingebracht, die mit Erde abgedeckt worden sind. Unter Luftausschluss werden hier im Boden befindliche unterschiedliche Mikroorganismen aktiv und bauen die organische Masse in zukünftige organische Pflanzennahrung um, die dann von den Bauern auf die Felder gebracht und untergepflügt worden sind.

Aus dieser alten Tradition heraus hat Prof. Higa die unterschiedlichen Mikroorganismen identifiziert und letztendlich durch Versuche die „Effektiven Mikrooganismen – EM“ entwickelt.

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]


Heute gibt es eine Vielzahl von entsprechenden Präparaten die auf dem Fermentationsprinzips
basieren.

Robert

avatar
Orchideenfreund
Hallo Uwe,

da hast du uns wieder einen sehr interessanten Artikel beschert. Habe ihn im Moment nur so überflogen, weil mir die Zeit fehlt, aber ich werde ihn am Wochenende noch einmal und in aller Ruhe studieren.
Aber ich kann dir noch einen kleinen Tipp geben:
Du schreibt in deinen Artikel, das die Pflanzenjauche sehr stinkt. Da muss ich dir Recht beben. Denn ich stelle im Frühjahr aus Brennnesseln eine Jauche für meine Tomaten und Paprika her. Das stinkt auch gewaltig.
Aber ich habe mir aus der Apotheke Baldrian Tropfen besorgt und davon kommen ein paar Tropfen, wenn ich die Jauche ansetze, mit rein. Warum das so ist, kann ich nicht sagen, aber es hilft. Die Jauche stinkt dann nicht mehr. Der Tipp stand mal in einer Zeitschrift.
,

http://spellmeier.no-ip.org

Leni

avatar
Orchideenfreund
UweM. schrieb:
konrad schrieb:Wie ist das mit dem Bier,kann man das direkt aufsprühen,oder muss man es erst trinken ?lachen 
Beides - einmal gibt es die Wirkstoffe ohne - im anderen Fall mit Harnstoff

--> Dieser Beitrag löscht sich nach 24 Stunden automatisch
Kannst du mal nen Tip geben für den richtigen Sprühaufsatz "mit Harnstoff"??
Habe ich es jetzt richtig verstanden, dass man eigentlich alles mögliche aus dem Haus und Garten z.B. gejätetes Unkraut, Blätter von Kohl, Möhren , Kartoffeln als auch natürliche Reste von Fisch und Fleisch rein in den Fermenter, EM 1 dazu, 35 Grad und warten???Zuckermelasse wie bei EM1 angegeben, muß die dann auch dazu?
Machst du dir die Fermentation auch für deine Schuhe selbst?

@Rainer
Also ich setze eine Lösung mit 300 µS an, ich finde den Geruch nicht so schlimm, andere rennen dabei fort Wink


LG

Leni

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Hallo Leni,

der Sinn von EM1 war eigentlich der, dass man alle organsichen Abfälle aus dem Garten etc. schnell wieder zu pflanzenverfügbare Nahrung umwandeln kann.

Man nimmt die organischen (möglichst klein gehächselten/geschnittenen) Abfälle füllt sie in einen Plastiksack, drückt sie intensiv zusammen (damit möglichst wenig Sauerstoff vorhanden ist), gibt EMa dazu und verschließt den Sack.
Nach zwei bis vier Wochen (je nach Temperatur) ergibt das einen herrlichen süß/sauren Geruch - dieses Material sollte jetzt im Garten unter gegraben werden - alle Pflanzenteile sind noch in ihrer ursprünglichen Struktur erkennbar.



Zur Erläuterung:

EM1 = Grundsubstanz von einer bestimmten Mischung aus über 50 Mikroorgansmen im Ruhestadium

EMa = EM1 wird mit Melasse und Wasser bei 30-30 °C für ca. 10 Tage aktiviert - man arbeitet überwiegend mit EMa (Kostengründen)

EM5 = soll für den Pflanzenschutz wirksam sein ( wie EMa + Essig + Alkohol)



Wer sich mit den EM's näher befassen möchte, dem kann ich zwei Bücher empfehlen:

EM von Franz Peter Mau

EM Lösungen für Haus und Garten von Hammes / van der Höövel

für Teichsanierungen oder spezielle für Pferde gibt es mittlerweile auch Bücher über EM



In dem erstgenannten Buch war auch ein Hinweis enthalten, dass EM "gut" für Orchideen sei. Von dem Verfasser hatte ich die Info bekommen, dass in Japan ein Orchideenbetrieb seine Orchideen mit EM behandelt.

Auch in Orchideenzeitschriften oder Foren kommt gelegentlich ein Hinweis, dass man seine Orchideen erfolgreich mit EM gehandeln kann.

Nach unsäglichen Mühen habe ich einen Kontakt zu dem Orchideenbetrieb in Japan bekommen:  

Etwa drei Jahre hat dieser Orchideenbetrieb seine Orchideen mit EM behandelt und konnte keine wesentlichen Änderungen zu parallelen Kulturen ohne EM feststellen.

Auch eine Behandlung von Schädlingen mit EM5 war nicht wirklich von Erfolg gekrönt.


Das entsprach auch meinen Erfahrungen.

Wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, warum EM eigentlich "erfunden" wurde: Abbau organischer Masse unter Luftausschluss... - das könnte bei Orchideen doch allenfalls dazu führen, dass das Substrat sich schneller umsetzen soll? Das wollen wir doch eigentlich nicht.


Der Vorteil der Fermentation liegt ja darin, dass während dieses Vorganges verschiedene Wuchsstoffe u.ä. hergestellt werden, die ich in wässriger Lösung benötige und das geht wie folgt:

Kleingeschnittene Wild- bzw. unkräuter in Wasser legen, EMa dazugeben und das Ganze für 2-3 Wochen bei 30-35 °C unter Luftabschluss "ziehen" lassen.
In dieser Zeit "zerlegen" die Mikroorganismen die pflanzliche Masse und beim Umbau entstehen die wachstumsfördernden Stoffe...

Nach dieser Zeit werden die Pflanzenteile entfernt und fertig ist die wachstumsfördernde Lösung, die ich insbesondere in hoher Verdünnung über die Blätter gebe....

Wem dieser Vorgang zu mühselig ist, kann auf die weiter oben genannten Fertigprodukte zurückgreifen.

Gruß
Uwe

lotus1804

avatar
Orchideenfreund
Klingt alles ziemlich kompliziert...
Bis jetzt habe ich immer gelesen, dass man die Mittel auf die Blätter sprühen soll. Warum nicht ins Tauchwasser geben?

LG
Lotus

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
lotus1804 schrieb:
Klingt alles ziemlich kompliziert...
was ist daran kompliziert - dass sind die normalen Vorgänge des Lebens.

...dafür gibt es ja Sach- oder Fachbücher oder eben das www - man muss sich nur die Sache interessieren...



lotus1804 schrieb:
Bis jetzt habe ich immer gelesen, dass man die Mittel auf die Blätter sprühen soll. Warum nicht ins Tauchwasser geben?
Es ist nachgewiesen worden, dass Orchideen Dünger und andere Stoffe über die Blätter aufnehmen können - am besten über die Blattunterseite.

Pflanzenstärkungsmittel sollten insbesondere dann verabreicht werden, wenn die Orchidee keine ohne wenige funktionsfähige Wurzeln hat oder frisch umgetopft worden ist.

Ohne funktionierende Wurzeln kann die Pflanze sich aus dem Tauchwasser nicht ernähren.

Gruß
Uwe



Zuletzt von UweM. am 15.08.13 10:26 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet

lotus1804

avatar
Orchideenfreund
Interesse allein genügt da nicht, fürchte ich. Man muß es auch verstehen...

Das mit den Wurzeln leuchtet mir ein. Ich habe ein homöopathisches Mittel, dass ich allerdings ins Tauchwasser gebe.
Ich habe keine Orchis, die wurzellos sind. Schlimmstenfalls welche,die ein bisschen Stärkung brauchen können.

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Es ist heute noch gängige Meinung an den Hochschulen, dass Wurzeln überhaupt nur Ionen von den Salzdüngern aufnehmen können und keine organischen Substanzen.

Aus der Humusforschung werden gegenteilige Nachweise erbracht...


Werden zu viele organische Substanzen über Dünger o.ä. in den Pflanzstoff der Orchidee verbracht, können auch negative Auswirkungen entstehen, da auch diese Substanzen mit der Zeit verstoffwechselt werden - dass kann schon mal zu Fäulnis führen.

Daraus resultieren die Empfehlungen, organische Mittel überwiegend über das Blatt zu verabreichen

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Zwei weitere Themen möchte ich hier noch abschließend ansprechen:

Homöopathie:

In der Medizin stehen sich zu diesem Thema unterschiedliche Meinungen gegenüber:

Die Gegner sind der Meinung, dass in dieser geringen Konzentration keine Wirkung
( = Heilung) eintreten kann, sondern allenfalls ein Placeboeffekt eintritt.

Dem gegenüber stehen Heilungserfolge, die überwiegend auf der Aktivierung der Selbstheilungskräfte zu basieren scheinen.


Die Homöopathie ist an Pflanzen insbesondere beim Baum- oder Waldsterben aktiv ausgetestet worden.
Durch mehrmaliges Besprühen mit homöopathisch-dynamisierten Mineralien trieben absterbende Bäume nach kurzer Zeit wieder neue Blätter aus.

Insbesondere die Rettung des schon tot geglaubten tausendjährigen Rosenstocks am Mariendom zu Hildesheim durch homöopatische Mittel ließ die Fachwelt aufhorchen.

Eine zentrale Rolle scheint das potenzierte organische Spurenelement Geranium zu spielen,
dass Blockaden im Stoffwechsel zu lösen scheint.

In der Homöopathie werden eine Urtinktur in einem bestimmten Verhältnis mit Wasser vermischt und durch kräftiges schütteln aktiviert:

Eine erste Verdünnung im Verhältnis 1:10 ergibt die Potenz D1. In einem zweiten Schritt wird davon wieder im Verhältnis 1:10 zur Potenz D2 verdünnt. Eine D20-Potenz hat nach diesem Verfahren 20 Verdünnungsschritte hinter sich (das entspricht der Wirkstoffkonzentration einer Schmerztablette, die im Atlantik aufgelöst wurde).


Ein bekanntes Mittel der homöopatischen Pflanzenpflege ist Biplantol Vital NT

Biplantol Contra X verbindet die positive Wirkung der Homöopathie mit der Aroma Therapie



Aromatische Pflanzenpflege

Es ist bekannt, dass Pflanzen sich gegen Fressfeinde oder andere unliebsame Pflanzen durch ätherische Öl schützen können.

Bestimmte ätherische Öle regen den Stoffwechsel der Pflanze an.

Nähere Informationen sind hier zu finden:

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]


In der Praxis kann man leicht die aromatische Pflanzenpflege betreiben. Man benötigt dafür nur einige ätherische Öle und einen Emulgator, der das Öl mit dem Sprühwasser verbindet.

Ich verwende wöchentlich eine Mischung von verschiedenen ätherischen Ölen, die als Insektenschutz verkauft werden und die dem Sprühwasser beigefügt werden.

15 Pflanzenstärkungsmittel! am 07.09.13 0:05

Rudi

avatar
Orchideenfreund
Hallo Uwe!
Deine Beiträge sind sehr interessant, aber das klingt alles sehr kompliziert! Welche Pflanzenstärkungsmittel hast du eigentlich im Gebrauch und welche Beobachtungen machst du bei deinen Orchideen? Das wäre auch interessant! Ich nehme fertige Pflanzenstärkungsmittel wie Biplantol Vital NT, ich behaupte einmal es wirkt nur langfristig. Ich hatte eine lange Zeit Wollläuse die sind nun weg. Der Nachteil ist der hohe Preis.
Waldleben benutze ich auch, es erhöht aber auch den Leitwert erheblich, es scheint daher auch nicht ganz Salzfrei zu sein! Weiterhin experimentiere ich mit weiteren Pflanzenstärkungsmitteln! Düngen tu ich nur noch 1x im Monat. Wenn ich so meine Wurzeln und Blätter anschaue könnten die nicht besser aussehen! Aber ich bin da kein Fachmann nur ein kleiner Fensterbänkler und es sind nur meine Beobachtungen. Ich will hier auch keine Grundsatzdsikusion anzetteln!
Bis bald, Rudi!

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Hallo Rudi,

viele Dinge sind gar nicht mehr so kompliziert, wenn man sich mit ihnen intensiv auseinander setzt...

Viel schwieriger wird es bei der Beurteilung, ob das Mittel A oder B auch wirkt.

Ich gebe dir recht, dass man viele Dinge erst nach längerer Zeit wirklich beurteilen kann - oftmals bei Orchideen erst nach einer Vegetationsperiode.

Beispiel: Biplanthol: bei meinen Pflanzen schien es nicht zu wirken, ein Orchideenfreunde hat mit diesem Mittel richtig gute Erfolge und das seit Jahren!

Sehr schwierig ist auch die richtige Dosierung der verschiedenen Mittel.

Seit ein paar Monaten bekommen meine Orchideen 1 x wöchentlich eine Blattbehandlung mit:

Algenextrakt, Bier, Triacontanol (alle 2 -wochen), ätherischen Ölen und einem organischen Dünger.

Gegossen wird mit Salzdünger, wie schon an anderer Stelle beschrieben.

Mit der Entwicklung der Orchideen in diesem Jahr bin ich sehr zufrieden, dass kann aber auch mit dem sehr orchideenfreundlichem Wetter zusammenhängen...

Gruß
Uwe

NorbertK

avatar
Orchideenfreund
Leni schrieb:
In dem Zusammenhang besitze ich nach wie vor den berüchtigten " Fischdünger" und es ist eine absolute Wunderformel, fermentierter Fisch, stinkt übelst aber selbst ne "Tote" Orchidee kann man damit retten Wink
LG Leni

Also ich habe hier ein paar Kandidaten die fast tot sind. Würd mich mal interessieren welchen Du da benutzt. LG Norbert

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
Hallo zusammen,

hier einmal ein altbekanntes Mittel für den allgemeinen Schutz der Orchideen:

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

Gruß
Uwe

uliorchi

avatar
Orchideenfreund
Uwe ein ausgesprochen guter und interessanter Beitrag. Zumal das auch ein wirklich interessantes Thema ist!
Auch meine Orchis erhalten gelegentlich Algenextrakt. Ich habe ihn in Pulverform und und mische ihn ins Gießwasser.
Da ich das Pulver nicht regelmäßig anwende ist es auch schwierig darüber zu urteilen. Ich kann dazu nur sagen, schaden tut´s meinen Orchis auf keinen Fall!
Vielleicht sollte ich mich doch mehr mit diesem Thema auseinander setzen.
Danke für deine Hinweise und Tipps!

Radickson

avatar
Orchideenfreund
Gebrauchsfertige Ackerschachtelhalmbrühe wird von namhaften Herstellern teuer als Pflanzenschutzmittel verkauft, selber machen ist um einiges günstiger, Rezept [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

UweM.

avatar
Fachmoderator Paphiopedilum
... wie häufig verwendest du diese Brühen und in welcher Konzentration?

Radickson

avatar
Orchideenfreund
Ich trinke den Tee selber))), gegen Schädlinge gehe ich radikaler vor, mit einem Coctail aus Permethrin und Pyrethrine, wobei bei Orchideen die Knospen damt beschädigt werden können, selbst bei Apfelbaum wurden bei manchen Blättern die Blattspitzen gelb, es ging aber ums Überleben der Bäume...

Für die Pflegefälle verwende ich ein Stärkungs-Wundermittel: Bernsteinsäure. 0,02% Lösung ist am wirksamsten, praktisch nehme ich ein wenig auf Messerspitze, löse es im heißen Wasser, ungefähr halbes Glas, dann wird diese Lösung ins kalte Wasser gekippt, insgesamt 1 Liter. Darin kann man Wurzel für halbe Stunde eintauchen, Blätter wischen oder auch Samen diese Lösung ziehen lassen. Einmalige Anwendung reicht, bei Bedarf kann man nach 1-2 Wochen wiederholen. Wirkt wie Anabolika auf Sportler. Damit habe ich schon ein Paar Versuchskaninchen nach meinen Düngerexperimenten gerettet, die ich beinahe fast umgebracht habe... Rolling Eyes
Die Lösung ist weniger als 3 Tage haltbar, dann wird die Bernsteinsäure von Bakterien zersetzt. Nicht verwendbar bei akuten Krankheiten.

Das Mittel ist östlich der EU allgemein bekannt. Mir hat es meine Freundin aus Ihrer Heimat Ukraine mitgebracht, dort kann man es in jedem Laden für Gartenbedarf und auch in jeder Apotheke kaufen (stärkt auch den menschlichen Körper). In Deutschland leider nur als teure Chemikalie erhältlich, der Kauf lohnt sich aber auf jeden Fall.

Nach oben  Nachricht [Seite 1 von 1]

Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten